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16.06.2013: Die Innenstadt - mal anders betrachtet
Rundgang

Die Coesfelder Innenstadt hat einen eigenen Charme. Die City lockt auch Menschen aus den umliegenden Städten und Gemeinden zum Bummeln, Einkaufen und Genießen ein. Die Innenstadt hat aber auch weniger schöne Bereiche; Ecken und Flächen mit „Optimierungssbedarf“. Deutlich wird dies, wenn das Stichwort „Innenstadtberkel“ genannt wird. Aber auch viele Hinterhofsituationen lassen Handlungsnotwendigkeiten erkennen.

Im Stadtkern wohnen auf vergleichsweise engem Raum ca. 4000 Menschen,  in Gebäuden unterschiedlichen Alters und Qualität, in einer über Jahrzehnte gewachsenen Struktur. 

In den letzten Jahren hat sich gerade im Innenstadtbereich einiges Verändert. Der Pkw-Verkehr hat zugenommen. Ablesbar ist diese Entwicklung z. B. an der größeren Auslastung der Parkhäuser oder an der andauernden Diskussion um die Verkehrsführung in der nördlichen Innenstadt.

Die gestiegene Attraktivität der Innenstadt für ihre Besucher hat also zu höheren Belastungen für ihre Bewohner geführt. Bei der jetzt durch das „Handlungskonzept Innenstadt“ gezielt angestoßenen Entwicklungsprozess müssen gegensätzliche Anforderungen harmonisiert werden:

Die Anwohner erwarten eine geringe Belastung durch den motorisierten Besucherverkehr, sowie Aufwertungen der Bausubstanz und des Wohnumfeldes.

Die Geschäftsleute, einschließlich Gastronomie, Ärzte u.a., erwarten eine gute verkehrliche Anbindung und eine unmittelbar verfügbares Parkplatzangebot für Ihre Kunden, Patienten, Mitarbeiter u.a. , dabei ist zudem zwischen Kurzzeit- und Langzeitparkern zu unterscheiden.

Die Komplexität der Aufgabenstellung wird durch Aspekte des demografischen Wandels (Barrierefreiheit, Attraktivität für junge Familien, …), des Klimaschutzes und dem Wunsch nach einer „erlebbaren Berkel“ noch gesteigert.

Unter sachkundiger Führung von Thomas Backes, dem 1. Beigeordneten der Stadt Coesfeld, sind wir GRÜNEN mal mit einer anderer Perspektive, mit einem anderen Blick durch die Innenstadt gegangen. Zu sehen war viel Überraschendes.

Ein Beispiel: An einer Straßenecke steht die energetische Sanierung eines Gebäudes aus den 50er Jahren zur Diskussion. Geplant ist vom Eigentümer das Anbringen einer Wärmedämmung in Verbindung mit einem Blendmauerwerk („Klinkerfassade“). Dieses städtebaulich und klimapolitische sinnvolle Vorhaben wird aber zu einem deutlichen Eingriff in den bisherigen öffentlichen Verkehrsraum führen. Der vorhandene, ohnehin schon sehr schmale, Bürgersteig müsste nach dieser Baumaßnahme weiter in den jetzigen zulasten des Straßenraumes verbreitert werden. Wer trägt die Kosten – die Anlieger oder die Stadt? Können die Mindestbreiten für den Begegnungsverkehr noch eingehalten werden? Könnte das Konzept „shared space“, also die Gleichrangigkeit aller Verkehrsteilnehmer eine Lösung sein?

Nächste Fragestellung: Das innerstädtischen Angebot an Pkw-Stellplätzen genügt weder in der Menge noch in der Struktur den Anforderungen. Wo sollte künftig Raum für die Kurzzeitparker,  wo für die Langzeitparker sein? Ein Parkhaus könnte hier ein Lösungsangebot sein und gleichzeitig Raum für weitere bauliche Entwicklungen schaffen. Aber wo ist der richtige Ort für ein neues Parkhaus?

Es ist erkennbar: die erforderlichen Maßnahmen werden sich über viele Jahre hinwegziehen. Gelingen wird dieser Prozess nur, wenn auch die Grundstückseigentümer und private Investoren sich engagiert und kooperativ einbringen. Dann wird die Innenstadt ihre Ausstrahlung und ihren Wert für die Menschen erhalten. Coesfeld hat seine Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft.

Norbert Vogelpohl

Rundgang

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